CELLULITE UND HAARAUSFALL – KEINE AUFGABE FÜR KOSMETIK

büste Frauenkörper Brust

Wir kaufen Körperpflegeprodukte – ohne wirklich je zu wissen, was wirklich drinsteckt. Wenn du bspw. einen Himbeerjoghurt isst, steht drauf, wie viel Prozent Himbeeren, Himbeerzubereitung oder -pulver enthalten ist.  Bei Kosmetik ist das nicht der Fall. Zwar werden Inhaltsstoffe bezogen aufs Gewicht nach abnehmender Menge aufgereiht. Aber wieviel Aloe Vera in einem Aloe-Vera-Produkt nun drinsteckt, ist nicht ersichtlich. Einzelne Inhaltsstoffe müssen bei Kosmetik nicht prozentual aufgelistet werden.

So beginnt jeder Tag mit Shampoo, Duschgel, Antifaltencremes, Haut- und Handcreme. Frag dich doch mal: Brauche ich das alles? Und verhilft mir das zu weicherer, glatterer Haut?

30 Milliarden Euro  geben wir (Deutschland) im Jahr für Körperpflege- Produkte aus. Bei den Pro Kopf Ausgaben liegen wir Deutschen mit 158 € über dem europäischen Durchschnitt (von 129 €/ STATISTA). 57 % aller Frauen und 36 % der Männer benutzen regelmäßig Hautcremes. Sechs von zehn Frauen in Deutschland nutzen nach eigenen Angaben eine Tagescreme, vier von zehn eine Nachtcreme. Männer tragen Feuchtigkeitscremes zwar seltener auf als Frauen, aber immerhin 15 % der Männer tun das täglich. Neun von zehn Menschen schäumen sich mehrmals pro Woche mit Duschgel und Shampoo ein.

Die meisten scheinen blind auf diese Produkte zu vertrauen. Obwohl die Forschung zu Kosmetik und Pflegeprodukten lückenhaft, undurchsichtig und teils irreführend ist, kaufen wir in Massen.

MACHT UNS KOSMETIK SCHÖNER UND GESÜNDER? UND HÄLT ES UNS JÜNGER?

Beim Blick in den Spiegel suchen wir mit fortschreitendem Alter nach unseren Baustellen. Schon Cleopatra mischte sich Masken aus Milch, Öl, Wachs und Kräutern. Wer es schaffte, die Paste sechs Tage auf dem Gesicht zu behalten, sollte von Falten befreit sein. Heute arbeiten wir in Minutentakt. Derweil überhäufen uns Kosmetikhersteller mit ständig neuen Rezepturen gegen Cellulite oder den Alterungsprozess. Kann ein Produkt den Alterungsprozess aufhalten? Nein. Ewige Jugend gibt’s nicht in der Drogerie.

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DIE UNGESCHMINKTE WAHRHEIT

Models in Laborkitteln erzählen es uns in der Werbung, und auf Packungen steht Beeindruckendes: “Dermatologisch geprüft”, “Wirksamkeit nachgewiesen”. Doch wie viel Forschung steckt wirklich hinter einem Produkt? Die Hersteller versprechen: Augenringe und Falten weg. Was ist dran an diesen Versprechen? Brauchen wir wirklich Hunderte verschiedener Produkte? Und vor allem: Wie wirkt das alles überhaupt?

Die Wahrheit herauszufinden, ist schwierig. Es gibt kaum Studien zu Kosmetik- und Pflegeartikeln, die nicht im Auftrag oder in enger Symbiose mit Herstellern entstanden wären. Der Kosmetikmarkt wandelt sich ständig. Das erkennt sofort, wer sich die Werbung der vergangenen Jahre anschaut. Retinol, Hyaluronsäure, Kollagen oder Q10 – davon hat fast jeder schon mal gehört. Das sind Schlüsselzutaten in Gesichtscremes, die Namen wie Youth Code, UltraLift oder Lift Intense tragen. Das Versprechen: Falten gehören der Vergangenheit an. Aus dem Gesicht einer 40-Jährigen wird das einer 30-Jährigen. Die Tester sind immer begeistert.

Hyaluronsäure glättet die Haut optisch. Sie kann jedoch nicht langfristig wirken, weil die Moleküle zu groß sind, um in die Haut einzudringen. Urea, also Harnstoff, tut der Haut tatsächlich gut, es sei denn, du reagierst empfindlich. Die Hautdurchlässigkeit von Q10 nur an Schweinehaut zu testen, lässt keine Aussage über die Wirkung am Menschen zu. Im konkreten Fall haben die Forscher zudem mit der Beiersdorf AG zusammengearbeitet. Dem Konzern gehören zahlreiche Produktmarken wie Nivea oder Eucerin.  Ob Retinol in ausreichender Menge in die Haut eindringen kann, ist umstritten. Falls ja, sollte wir als Anwender beachten, dass wir über die Nahrung bereits einen großen Teil unseres täglichen Bedarfs abdecken. Das schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Kommen dann noch Kosmetika mit Retinol dazu, können Kopfschmerzen oder Übelkeit auftreten. Ein langfristiger Retinol- Überschuss kann der Leber schaden und die Haut reizen.

Doch die Falten kommen trotzdem. Das kann keine Creme verhindern. Genauso wenig können Salben knitterige Haut glattbügeln. Das bestätigte eine Untersuchung der Stiftung Warentest aus 2018. Keines der getesteten Produkte konnte die Haut wirksam und langfristig glätten. Ständig finden/ erfinden Hersteller neue Wunderzutaten. Das Interesse an Wirksamkeit ist groß. Und Studien sind nicht per se unseriös, blind sollte man ihrem Ergebnis aber nicht vertrauen.

Selbst Verbände, die Verbrauchern Informationen liefern sollen, können mittlerweile kaum noch etwas empfehlen. Unabhängige Forscher, die die Stoffe prüfen, können kaum Schritt halten. Von vielen Inhaltsstoffen ist nicht eindeutig geklärt, ob und ab welcher Konzentration sie schädlich sein können. Oft ist nicht verstanden, wie die Substanzen genau wirken. Und: Die Hersteller müssen nicht offen legen, wie viel sie wovon beigemischt haben.

DAS PARADOXUM

Was wäre die Lösung? Keine Kosmetik benutzen, auf Biosiegel achten, Fair-Trade-Produkte kaufen oder sich einfach auf die Versprechen der teuersten Marken verlassen?

Fest steht: Wer leidet, sollte im Zweifel immer einen Mediziner aufsuchen. Denn Kosmetik darf aus gutem Grund die Beschaffenheit oder die Funktionen des Körpers nicht verändern. Das dürfen laut EU-Richtlinie nur Arzneimittel. Und die haben lange Testreihen hinter sich, ehe sie überhaupt zugelassen werden.

Das Paradoxe: Frei verkäufliche Produkte dürfen nicht nachhaltig auf den Körper einwirken. Sonst wären es nämlich Medikamente, müssten strenge Zulassungsverfahren bestehen und wären nur in Apotheken erhältlich. Vor diesem Hintergrund klingen Versprechen, wie “Reduziert Falten nachweislich” – “Wirkt tief in unteren Hautschichten” – “Sichtbar volleres Haar” – fragwürdig. Aber dürfen Hersteller so etwas auf ihre Produkte schreiben, wenn sie die Wirkung gar nicht bewiesen haben?

ZEHN PROBANDEN, NULL AUSSAGE

Ein großer Teil der Studien zu Kosmetik-Inhaltsstoffen ist nicht repräsentativ. Warum, zeigen diverse Beispiele: Grüner Tee plus Rosenöl soll die Haut so gut mit Feuchtigkeit versorgen, dass sie langsamer altert. Dieser These widmeten sich das türkische Gesundheitsministerium sowie Pharmazeuten der Universitäten Ankara und Istanbul. Immerhin unabhängige Stellen. Schaut man sich die Studie dazu (Acta Pharmaceutica: Yapar et al., 2013) genauer an, zeigt sich das Problem: Nur an zehn Frauen wurde das Grüntee-Rosenöl-Gel getestet. Rückschlüsse auf die Allgemeinheit lässt das natürlich nicht zu. Denn, die Fehleranfälligkeit bei so wenigen Probandinnen ist zu hoch, die statistische Aussagekraft also gen Null.

Ein weiteres Problem: In  vermeintlich unabhängigen Studien ist nicht immer klar, ob die Forscher mit der Industrie zusammengearbeitet haben. Im September 2015 präsentierten US-Forscher zum Beispiel ihre Ergebnisse zur Wirksamkeit einer Anti-Aging-Creme (Journal of Drugs in Dermatology: Saxena et. al., 2015). Immerhin 85 Frauen zwischen 35 und 65 Jahren haben drei Monate lang zweimal pro Tag ihren Hals damit eingecremt. 94 Prozent waren am Ende zufrieden und stellten fest, dass ihr Hals frischer aussah. Sich vor allem auf die subjektive Wahrnehmung zu verlassen, ist unseriös. Das Ergebnis könnte den Forschern aber ganz recht gewesen sein: Der Erstautor der Studie ist etwa auch der Vizepräsident eines Kosmetikunternehmens, das zufälligerweise auch eine Anti-Falten-Creme für den Hals verkauft. Deren Zusammensetzung ähnelt stark der in der Studie verwendeten.

Natürlich arbeiten viele Forscher unabhängig und sitzen in Gremien, die die Industrie überwachen. Die Kosmetikkommission des Bundesinstituts für Risikobewertung gehört dazu. Auch die Europäische Kommission beobachtet den Markt der Inhaltsstoffe. Daneben gibt es aber auch Wissenschaftler, die Verträge mit Unternehmen haben. Nicht alle machen das transparent.

WIE ERKENNST DU, WAS DRINSTECKT?

Eine Übersicht über kritische Stoffe und deren Bezeichnung findet sich in einer hier abrufbaren Auflistung der Verbraucherzentrale.

Inhaltsstoffe werden nach der internationalen Nomenklatur kosmetischer Inhaltsstoffe, kurz INCI, auf dem Produkt aufgelistet. Mikroplastik ist für den Verbraucher oft nur schwer zu erkennen. Es versteckt sich unter anderem hinter folgenden Begriffen: Polyethylene, Nylon, Polypropylene, Polystyrene oder Polyurethane.

Der BUND hat einen Einkaufsratgeber herausgegeben, in dem er Produkte auflistet, die Mikroplastik enthalten. Allerdings finden sich dort auch etliche Produkte mit flüssigen Kunststoffen, die zwar auch nicht gut für die Umwelt sind, streng genommen aber nicht als Mikroplastik gelten.

Sind hormonell wirksame Stoffe im Produkt? Das lässt sich mit einer App “Toxfox” des BUND checken.

Beim Entschlüsseln der Inhaltsstoffe hilft die App Codecheck.

Gut tut, was gut tut.

XX Catrin

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