DIE SINNE DER HAUT

Die Sinne der Haut - Hand Haut

Ob eine Berührung auf unserer Haut als angenehm wahrgenommen wird, hängt stets vom Kontext ab. Am Forschungsinstitut in Florida haben Wissenschaftler die heilende Wirkung der Massagen nachgewiesen. Das Fazit: Der Körper schüttet weniger Stresshormone aus, dafür Nervenbotenstoffe, die beruhigend wirken. Das hilft gegen Schmerzen aller Art und entspannt selbst Asthmapatienten.

Mein Hund mag es, wenn ich ihn streichle. Aber wenn ich dasselbe während eines Spaziergangs tue, empfindet er es lästig. Der Gießener Professor für Psychosomatische Dermatologie Uwe Gieler sagt: „Mit einfachen Massagen gehen Hautsymptome zurück”. Hierzu erwähnt er Studien, die bestätigen, dass Menschen mit Hauterkankungen oft angeben, dass sie schon als Kind selten körperliche Berührungen erfahren haben. Auf der anderen Seite: Hautkontakt lässt Verliebte gesund sein. Da Verliebte sich oft gegenseitig berühren, sind frisch Verliebte selten krank. Berührung stärkt das Immunsystem, senkt den Blutdruck und stabilisiert die Verdauung. Verliebtsein ist wie eine Dauermassage für Haut und Seele: Der Körper schüttet fast nur noch Glückshormone aus.

SINNE DER HAUT: DER TASTSINN

Eine Kellnerin wird eher Trinkgeld bekommen, wenn sie ihre Kunden einmal leicht berührt; Patienten, die vom Arzt berührt wurden, überschätzen die Zeit, die der Arzt ihnen widmet. Ohne Tastsinn, davon gehen Wissenschaftler inzwischen aus, wäre ein Fötus schlicht nicht überlebensfähig. Traditionell allerdings gilt Berühren gegenüber Sehen und Hören als primitiv und unbedeutend. Physiologisch ist es schwierig zu erforschen. Jedoch: das Organ des menschlichen Tastsinns ist die gesamte, knapp zwei Quadratmeter große Haut, über die ein Geflecht aus vielen Millionen feiner Nerven und Rezeptoren verstreut ist. Das erscheint demzufolge weitaus unübersichtlicher als ein Auge oder das Ohr.

„BERÜHRUNGEN HABEN FÜR LEBEWESEN EINEN STELLENWERT WIE DIE LUFT ZUM ATMEN“

„Unsere Kultur will das oft nicht wahrhaben, jedoch alle sozialen Berührungsreize lösen Kaskaden biochemischer und neurophysiologischer Prozesse aus – denn Menschen sind wie alle Säugetiere in ihrer Entwicklung von taktilen Reizen abhängig.“ Weiß der Psychologe Martin Grunwald aus jahrelanger Forschung. An der Universität Leipzig erkundet er, wie taktile Reize auf Menschen wirken. „Berührungen haben für Lebewesen einen Stellenwert wie die Luft zum Atmen“, sagt er.

Die Sinne der Haut - Aufbau Model Haut

AUFBAU DER HAUT

Haut ist funktional das vielseitigste Organ des menschlichen Körpers. Im Querschnitt lässt sich Haut grob in drei Schichten beschreiben. In der obersten Schicht, der Epidermis, werden die Hornzellen produziert, ein fein austarierter Prozess, der maßgeblich die Gesundheit unserer Haut verantwortet. Unter ihr liegt die Lederhaut, die mit ihrem Netzwerk aus Kollagenfasern der Haut ihre Elastizität verleiht. Darunter befindet sich die Unterhaut aus lockerem Bindegewebe und Fettzellen. Sie beliefert die oberen Schichten mit Nährstoffen und sorgt dafür, dass die Haut sich insgesamt verschieben lässt, was bei jeder Massage eindrucksvoll unter Beweis gestellt werden kann. Hautpflege wirkt vor allem auf die Epidermis, Anti-Aging-Wirkstoffe sollen dagegen bis zur Lederhaut vordringen. In die Lederhaut wird auch die Farbe von Tattoos gestochen, weil sich diese Hautschicht im Gegensatz zur Epidermis seltener erneuert.

Haut hat sich über Millionen von Jahren entwickelt. Erst als Wirbeltiere Land betraten, entstand die dritte Hautschicht, was die Anthropologin Nina Jablonski als den bedeutsamsten Schritt in der Evolution der Wirbeltierhaut bezeichnet: Das Stratum corneum, besser bekannt als Schuppen, Federn, Haare oder Hornhaut. Die Haut als Spiegel der Seele ist eine alte Erkenntnis. Inzwischen rücken die Sinne der Haut in den Fokus von Medizinern. In der Haut treffen Innen- und Außenwelt aufeinander, an dieser Schnittstelle wird der Menschen seiner Existenz gewahr.

UNSERE VORFAHREN

Eine Unterteilung in Hautfarben ist biologisch gesehen unsinnig. Der Melaningehalt bestimmt die Farbigkeit. „Rothäute“ sind eine Erfindung des Naturforschers Carl von Linné. Der Hautton ist so nur eine evolutionäre Anpassung an die vorherrschende UV-Strahlung unserer Vorfahren. So ist eine dunkle Hautfarbe nahe dem Äquator von Vorteil, da das Melanin die Zerstörung von Folsäure und die Entstehung von Hautkrebs verhindert. Als die ersten Menschen jedoch Afrika verließen, hatten jene mit heller Haut einen Überlebensvorteil, denn diese lässt mehr UV-Strahlen passieren und kann besser Vitamin D produzieren. Einzige Ausnahme sind die Inuit, da sie viel Fisch verzehren und damit Vitamin D aufnehmen.

WENN DU EINEN MENSCHEN NICHT UMARMST, WIRD ER DIR NIE GLAUBEN, DASS DU IHN LIEBST.

WENN DU EINEN MENSCHEN NICHT UMARMST, WIRD ER DIR NIE GLAUBEN, DASS DU IHN LIEBST.

DIE REZEPTOREN DER HAUT

In allen drei Hautschichten sitzen feine Nervenenden und spezialisierte Rezeptoren, die am ganzen Körper Druck, Dehnung, Vibrationen, Kälte, Wärme, Jucken oder Schmerzen registrieren und zum Gehirn weiterleiten. Die genaue Anzahl ist nicht bekannt – die spezialisierten Rezeptoren schätzt man auf 700 bis 800 Millionen, von den freien Nervenenden könnte es sogar Billionen geben. Wird uns auch nur das kleinste Haar gekrümmt, können wir das bewusst wahrnehmen. Mühelos unterscheiden wir zwischen einem Regentropfen und einem Schups, einem Piks und einem Kneifen. Berührung ist demnach voller kleiner und großer Nuancen. Unterscheidungen gelingen jedoch nur mit den haarlosen, besonders sensiblen Bereichen von Handflächen, Zunge und Lippen. Blindenschrift könnten wir mit dem Unterarm nicht entziffern. In den Fingerspitzen sind die Tastrezeptoren sehr dicht gepackt. Zudem kommt hier eine grundlegende Eigenschaft des Tastsinns zum Tragen: Berührungen werden vom Gehirn im Kontext der eigenen Bewegung interpretiert.

Ausserdem, durch die Vibration der Tastrezeptoren können wir bspw. Seide mit den Fingern unterscheiden – doch wie die Rezeptoren diese Information in ein elektrisches Nervensignal umwandeln, versucht die Wissenschaft gerade zu verstehen. Dieses Zusammenspiel bildet sich aus, lange bevor wir hören oder sehen können. Ab der achten Schwangerschaftswoche reagiert der Embryo auf Reize im Lippenbereich. Wenige Wochen später spürt er die Grenzen des Mutterleibs und lernt, zwischen Ich und Außenwelt unterscheiden.

“Nach Millionen von Jahren der Evolution sind Menschen darin wirklich gut”

Ingenieure arbeiten daran, in einer Vielzahl von Projekten, Robotern das Fühlen beizubringen. „Das wird seine Zeit dauern, und es ist sehr kompliziert“, sagt der Ken Goldberg von der University of California in Berkeley. “Nach Millionen von Jahren der Evolution sind Menschen darin wirklich gut.“

Herzlich Catrin

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