Was Frauen zum Erfolg führt – erfolgreich mit Selbstbewusstsein

Was Frauen zum Erfolg führt

Je höher die Karriereleiter, desto dünner wird die Luft für Frauen: Nicht einmal 10% der Vorstandsposten in Deutschland sind mit weiblichen Führungskräften besetzt. Untersuchungen zeigen, dass die meisten Frauen ihre Erfolgschancen niedriger einschätzen und mit weniger Selbstvertrauen an Aufgaben herangehen als Männer….

Interview mit Alexandra Manchero

Alexandra hat sich in einer Männerdomäne in eine Führungsposition hochgearbeitet und sich dort auf oberer und Top-Managementebene bewegt. Im Gespräch erzählt sie ihre Erfolgsgeschichte –

Alexandra ist Maschinenbau-Ingenieurin, nach ihrem Studium war sie in einem großen deutsche Automobilkonzern tätig. Sie verbrachte die meiste Zeit in der technischen Entwicklung, bis sie schliesslich in die Geschäftsleitung wechselte – hier  war sie für das Prozessmanagement und leitete Veränderungsprozesse. Nach der Geburt ihres Sohnes war sie in Teilzeit berufstätig. Heute arbeitet sie als Coach für Frauen in Führungspositionen, um sie auf ihren Weg in ihre weibliche Führung zu begleiten. Gelassen, stark und stolz abweichend von der Norm und gängiger Vorstellungen des Frauseins.

Welche Vor- und Nachteile hat man als Frau in der Arbeitswelt?

Ich habe es bei meinem Berufseinstieg damals als sehr angenehm empfunden, eine der wenigen Frauen in der technischen Entwicklung bei einem großen bayrischen Automobilhersteller zu sein. Genaugenommen war ich in meinem unmittelbaren Arbeitsumfeld lange Zeit die einzige Frau, wenn ich die Assistentinnen der Chefs nicht hinzuzähle. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass ich sie ausklammern oder ausgrenzen möchte. Ganz im Gegenteil, denn ich war, und bin sehr dankbar, dass es sie gab (und gibt).

"Als Frau bin ich „weder Fisch noch Fleisch“, wenn ich dort „frauenuntypische“ Tätigkeiten ausübe, was ich als Ingenieurin, Naturwissenschaftlerin, Informatikerin und auch Wirtschaftswissenschaftlerin zwangsläufig mache."

Ich habe aufgrund meines „Exotendaseins“ viel Aufmerksamkeit erhalten, die ich auch sehr genossen habe, und gleichzeitig fehlte mir oft ein Gefühl der Zugehörigkeit. Und damit komme ich auch schon zu den Nachteilen bzw. Herausforderungen für Frauen, die insbesondere in einem überwiegend männlich geprägten Umfeld tätig sind. Als Frau bin ich „weder Fisch noch Fleisch“, wenn ich dort „frauenuntypische“ Tätigkeiten ausübe, was ich als Ingenieurin, Naturwissenschaftlerin, Informatikerin und auch Wirtschaftswissenschaftlerin zwangsläufig mache. In die zu meiner Tätigkeit gehörenden „Männerzirkel“ passe ich aufgrund meines Frauseins nicht so richtig hinein. Gleichzeitig gehöre ich wegen meiner „männlichen“Tätigkeit auch nicht zu den Frauen, die überwiegend in den Vorzimmern der Führungskräfte arbeiten. Kurz gesagt: In jedem Unternehmen gibt es Gruppen, in die ich als Frau mit einem „frauenuntypischen“ Beruf nicht zu 100 % hineingehöre. Ich bin eine Minderheit, ob ich es will oder nicht. Wir Menschen sind aber soziale Wesen und das Gefühl der Zugehörigkeit ist für uns von elementarer Bedeutung. Das ist der Grund, warum wir Frauen uns in einem stark männlich geprägten Umfeld irgendwann unwohl und im schlimmsten Fall nicht zugehörig fühlen. Das kann dann so aussehen, dass ich mich als Frau nicht ernst genommen fühle, bei Stellenbesetzungen übergangen werde und im schlimmsten Fall sogar wirtschaftliche Nachteile in Form von schlechterer Entlohnung hinnehmen muss.










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Aktuelle Studien belegen: In den WiWi-Studiengängen ist die Hälfte aller Studierenden weiblich (teilweise sogar mehr). Wieso spiegelt sich das auf Führungsebene nicht wider?

Das ist richtig. Im mittleren Management haben genauso viele Frauen wie Männer einen akademischen Abschluss. Auf niedrigeren Hierarchieebenen verfügen wir Frauen sogar über ein höheres Bildungsniveau als unsere männlichen Kollegen.

"Trotzdem gelingt es den gut ausgebildeten Frauen deutlich seltener, ein Bruttogehalt von über 100.000 pro Jahr zu erzielen als den Männern. Es ist also ziemlich offensichtlich, dass die Karrieren von Frauen durch andere Faktoren behindert werden als dem Bildungsniveau."

Die ExpertInnen sprechen hier von einem „Gender Leadership Gap“. Dieser besagt, dass deutlich weniger Frauen in der ersten und zweiten Führungsebene anzutreffen sind, als sie es im Verhältnis zu ihrem Anteil an allen Beschäftigten sein müssten. Während in 2018 auf der 2. Führungsebene der Frauenanteil an Führungspositionen noch 40 % betrug, lag er auf der 1. Führungsebene nur noch bei 26 %; von der Vorstandsebene ganz zu schweigen.

Sehr gerne und oft wird die (Un-)Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Hauptgrund für die gegenwärtige Situation der geringen Teilhabe von Frauen an Führungspositionen ins Feld geführt. Das ist sicherlich auch ein wichtiger Faktor, keine Frage. Wenn ich mir jedoch ansehe, dass ca. 3/4 der Frauen in Führungspositionen keine Kinder haben, muss es dafür auch noch andere Gründe geben.

Was steckt dahinter? Warum glaubst du, sind Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert?

Fakt ist, dass Frauen bereits als Mädchen einen geringeren Selbstwert und ein geringeres Selbstbewusstsein aufweisen als Jungs bzw. Männer und sich dies ganz deutlich in ihrem Durchsetzungsverhalten ausdrückt. Das liegt an der Art und Weise, wie wir sozialisiert wurden – Mann wie Frau. Durch unsere Erziehung sind wir nicht zu dem Menschen geworden, den die Natur gemacht hat, sondern wie die Gesellschaft ihn haben will.

Das bedeutet für uns Frauen, dass wir typisch weibliche Charakteristika wie Passivität, Ängstlichkeit und Unselbstständigkeit aufweisen müssen, um (gesellschaftlich) akzeptiert zu werden. Es liegt, glaube ich, auf der Hand, dass ich mit diesen Eigenschaften eher keine gute Führungskraft abgebe. Als Frau stecken wir dadurch in einem „Sympathie vs. Führungskompetenz-Dilemma“.

 

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Erklär mir das bitte, was meinst du, wenn du sagst: „Sympathie vs. Führungskompetenz- Dilemma“.

Erfüllen wir Frauen die gesellschaftlichen Vorstellungen, wie eine Frau zu sein hat, verlieren wir in der allgemeinen Wahrnehmung an Führungskompetenz. Verhalte ich mich als Frau hingegen „männlich“ gewinne ich zwar an Führungskompetenz, allerdings auf Kosten der Sympathie. Damit meine ich, dass ich als Frau weniger gemocht werde, wenn ich mich dominant und durchsetzungsstark gebe.

Die entscheidende Frage ist nun: Wie kann ich als Frau durchsetzungsstark sein, ohne die geschlechtertypischen Rollenzuschreibungen zu verletzten?

Ganz genau. Die Lösung für dieses Dilemma ist ein Führungsverhalten mit einer zurückhaltenderen Form der Dominanz.

"Inzwischen ist es durchaus akzeptiert, wenn sich Frau selbstbewusst zeigt und kompetent auftritt. Wenn wir Frauen zudem Verständnis zeigen und Wert auf Kooperation legen, können wir in unserer Führungsrolle sehr erfolgreich sein, ohne dabei unser Frausein zu verleugnen oder inkompetent zu wirken."

Und genau da sehe ich persönlich das größte Hindernis: Wir Frauen sind es nicht gewöhnt, stolz auf uns zu sein. Unsere Erfolge anzuerkennen und unsere Fähigkeiten angemessen einzuschätzen. Viele Frauen leiden unter dem sogenannten Hochstapler- oder Impostor-Syndrom. Das ist der Fachbegriff für das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Die Folge ist ein geringes Selbstvertrauen oder auch Selbstbewusstsein, was allerdings für eine Führungsposition unerlässlich ist.

Was macht deiner Meinung nach eine gute Führungskraft aus? Worauf kommt es an, wenn man als Führungskraft erfolgreich sein möchte?

Unser Führungsverhalten ist stark abhängig von unserer Persönlichkeit/ unserem Charakter, unseren Fähigkeiten und unseren Überzeugungen bzw. wie wir über uns selbst denken. Deswegen halte ich es für wichtig, dass ich als Führungskraft genau an diesen Punkten kontinuierlich arbeite. Die Erneuerungs- und Lernbereitschaft sind daher aus meiner Sicht die wichtigsten Kompetenzen einer Führungskraft. Als Führungskraft muss ich mich stets neu auf den Prüfstand stellen und mich fragen: Bin ich die Führungskraft, die ich sein will? Mache ich das Richtige? Erreiche ich meine Ziele?

Es gibt immer etwas, das ich lernen kann und darum ist es so wichtig, mich und mein Führungsverhalten regelmäßig zu reflektieren. Die jüngste Studie des Gallupinstituts kam zu dem Ergebnis, dass es um die Führung in deutschen Unternehmen nicht gut bestellt ist.

Während 69 % der Mitarbeiter in deutschen Unternehmen nur noch Dienst nach Vorschrift machen, haben 16 % bereits innerlich gekündigt, da sie emotional wenig bis gar nicht mehr an ihr Unternehmen gebunden sind. Bedauerlicherweise glauben 97 % der Führungskräfte, sie seien gute Chefs.

Als gute Führungskraft bin ich in der Lage, die Bedürfnisse meiner Mitarbeiter zu erkennen, angemessen darauf zu reagieren und sie emotional an mich zu binden.

Was sind in deinen Augen, ganz typische weibliche Führungskompetenzen?

Die heute gängigen Führungsstile sind eher sach- und aufgabenorientiert und weniger mitarbeiterorientiert. Daher auch die geringe Bindung der Mitarbeiter an ihre Führungskräfte und an das Unternehmen, in dem sie beschäftigt sind. Genau hier sehe ich eine Riesenchance für uns Frauen und unsere weiblichen Führungskompetenzen. Aufgrund unserer Intuition, Beziehungsorientierung und unserer Empathie, können wir hier eine real existierende Lücke schließen, vorausgesetzt, wir gehen es richtig an.

Wie können wir Frauen vorgehen, um diese Lücke zu schließen?

"Nun, das oben bereits erwähnte Gallupinstitut hat in seiner Studie herausgefunden, dass 29 % der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die bereits eine Frau als Chefin hatten, wieder eine Frau als Chefin bevorzugen würden und nur 9 % wieder einen Mann."

Das Gallupinstitut schließt daraus, dass geschlechtsspezifische Vorurteile bei echtem Führungstalent abgebaut werden können.

Das bedeutet allerdings auch, dass wir Frauen an unseren weiblichen Führungskompetenzen arbeiten und sie weiterentwickeln müssen. Denn auf höheren Hierarchie-Ebenen greifen Frauen stärker als Männer auf autoritäres Führungsverhalten zurück, was sie Sympathiepunkte kostet und einen weiteren Aufstieg verhindern kann.

Was Frauen zum Erfolg führt

Was sind deine ganz persönlichen Erkenntnisse? Hast du hier Beispiele aus deinem ganz persönlichen Erfahrungsschatz?

Meinem persönlichen Erleben zufolge konnte mir bei der Entwicklung meiner weiblichen Führungskompetenzen keiner wirklich helfen. Nicht, weil meine Vorgesetzten und Kollegen es nicht gewollt und versucht hätten. Ganz im Gegenteil, ich habe viele Schulungen, Seminare und gute Ratschläge bekommen. Einige der Weiterbildungsprogramme waren sogar nur für Frauen. All diese gut gemeinten Angebote haben mir leider nur wenig geholfen, weil sie das Thema der geschlechterspezifischen Rollenzuschreibungen völlig ignorierten.

"Meinem persönlichen Erleben zufolge konnte mir bei der Entwicklung meiner weiblichen Führungskompetenzen keiner wirklich helfen."

Erschwerend kam hinzu, dass viele der Führungskräfte wenig Erfahrung in einem mitarbeiterbezogenen Führungsstil hatten. Als Frau konnte ich mir da also nur wenig abschauen. Ich habe meine persönliche Entwicklung irgendwann selbst in die Hand genommen und damit mein bisher erfolgreichstes Ergebnis als Führungskraft erzielt.

Du hast ein Coaching entwickelt, für mehr Leichtigkeit im Führungsalltag. Wie kann ich mir das vorstellen?

Das Ankämpfen gegen veraltete Rollenbilder und die männlich geprägte Unternehmenskultur kostet Kraft und Lebensfreude. Vor allem bekommen wir als Frauen das Gefühl, dass wir mit unseren „alternativen“ Ansätzen keine guten Führungskräfte sind, da wir nicht die entsprechende Wertschätzung erfahren. Ich helfe den Frauen dabei, ihren Führungserfolg transparent zu machen und gleichzeitig sich selbst treu zu bleiben. Die Führungspersönlichkeit ist in uns Frauen angelegt; sie ist bloß verschüttet durch Erziehung und Sozialisierung. Ich will dieses bereits angelegte Talent freilegen und aktivieren. Und das unter Berücksichtigung der aktuellen Rahmenbedingungen wie Rollenzuschreibungen und den aufgaben- und sachorientierten Führungsstilen. Wir Frauen müssen mutig sein und neue Wege ausprobieren und uns dabei gegenseitig unterstützen. Und genau das passiert in meinen Coachings.

"Die Führungspersönlichkeit ist in uns Frauen angelegt; sie ist bloß verschüttet durch Erziehung und Sozialisierung."

Was Frauen zum Erfolg führt

Glaubst du, dass mehr Frauen eine Führungsposition anstreben würden, wenn es mehr weibliche und prominente weibliche Vorbilder gäbe?

Ja und nein. Es müssen die richtigen weiblichen Vorbilder sein. Ich habe in meiner Berufslaufbahn viele weibliche Führungskräfte erlebt, auch im oberen und Top-Management. Diese kann und will ich mir ehrlich gesagt nicht zum Vorbild nehmen. Nicht weil ich sie nicht mag oder schätze. Diese Frauen sind fachlich sehr gut und ihren Mitarbeitern gegenüber auch meist fair (leider nicht alle), aber sie wirken abgearbeitet, müde und ausgelaugt. Oder sie sind im Auftreten und Verhalten männliche Kopien im Kostüm. Oder beides.

"Meine Vision hingegen sind Frauen als CEOs mit einer 20-Stunden Woche, die ihren Wert kennen und aus einer inneren Stärke heraus agieren. Diese Frauen wollen berufliche und private Erfüllung und haben auch noch Zeit für sich selbst. Hätten wir diese Vorbilder, würden ganz sicher mehr Frauen eine Führungsposition anstreben."

Zum Schluss: Alle wissen: Schönheit kommt von innen! Was ist Dein Credo für mehr Selbstbewusstsein? 

Mutig sein und machen! Suche dir neue Herausforderungen, auch wenn sie Angst machen. Und bevor du es nicht tust: Hol dir Hilfe und Unterstützung. Finde Wege, um deinen Selbstwert und dein Selbstvertrauen zu stärken, z. B. indem du Wert auf dein Äußeres legst, wie es Catrin mit ihren großartigen Tipps beschreibt. Das Fundament für deinen Erfolg als Führungskraft ist dein Selbstbewusstsein und dein Selbstwert, denn daraus entsteht Selbstsicherheit und Selbstvertrauen, das du ausstrahlen musst, damit dir andere folgen. Das ist übrigens geschlechterunabhängig;-)

Lieben Dank.

Alexandra Menchero

>> ALEXANDRA MANCHERO

Ihre Vision ist eine Welt, in der Kooperation wichtiger ist als Konkurrenz. Sie glaubt fest daran, dass dies nur gelingen kann, wenn Frauen sich ihre Kraft und Stärke bewusst machen und diese leben. Nicht in Konkurrenz zum Mann sondern als Ergänzung dazu.

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Catrin Kreyss

Ich bin Catrin, Make up Artist, Coach und Online Unternehmerin. Nach 20 Jahren in der Modeindustrie weiß ich: Schönheit strahlt für mich aus einem Menschen heraus. Natürliche und wahre Schönheit kommt nicht nur von innen – sie beginnt auch dort.

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